Der erste BDSM-Tag sowie der in dessen Rahmen stattfindende, inzwischen sechste BDSM-Kongress sind vorbei. Der Vorstand des Veranstalters BVSM hätte sich sicher mehr Gäste gewünscht, denn immerhin war der öffentliche Teil ja gerade nicht als Information ausschließlich für “die Szene” gedacht. Wir treffen uns schließlich alle doch mehr oder weniger auch so
Aber immerhin gab es einen kleinen Beitrag im Express, der vielleicht dann doch bei manchem “Normalo” das Interesse weckt, mit uns zu sprechen. Die immerhin gut 60 Teilnehmer hatten jedenfalls viel Gelegenheit, sich über aktuelle Themen auszutauschen. Insofern war es vielleicht auch gar nicht so schlecht, dass wir wegen kurzfristiger Absagen von Referenten das Programm etwas umstellen sowie die Bandbreite der Workshops etwas straffen mussten.

Workshopleiterin Silke berichtet im Anschluss im Interview mit Dirk auf der Bühne, dass die BVSM ihre grundsätzlich ablehnende Haltung zu ICD-10 überarbeiten sollte.
Eines der wohl spannendsten Ergebnisse des Kongresses ist, dass die BVSM ihre Haltung zum ICD-10 korregieren sollte. Wie Silke im Anschluss an den Workshop “Is das krank: ICD-10 und seine Folgen” berichtete, sollte die BVSM nicht länger die komplette Streichung der Klassifizierung fordern, denn diese wäre durchaus sinnvoll. Zumindest aber eine Herauslösung aus dem derzeitigen Kontext wäre wünschenswert. Leider konnte ich aus organisatorischen Gründen nicht selber an der Diskussion teilnehmen. Ihr Co-Referent Takeru erklärte mir aber später, dass zwar die Beschreibung des Krankheitsbildes zunächst so klingt, als wären jeder ganz normale BDSMler damit gemeint. Wer aber die entsprechenden Erklärungen dazu liest, wird schnell merken, das dem nicht so ist. Silke betonte aber, dass es durchaus wichtig wäre, entsprechendes Aufklärungsmaterial sowohl für potenziell Betroffene wie auch Therapeuten zu erstellen. Vor allem letztere wären nicht immer so gut informiert wie man es eigentlich erwarten würde.

"Inquisitor" Tybalt befragt Petra vom Arbeitskreis "SM und Christsein"
Spannend war auch der Vortrag von Petra, Sprecherin des Arbeitskreises “SM und Christsein”. Wir werden den Mitschnitt so schnell wie möglich auch als Video veröffentlichen. Bis dahin sei aber schonmal soviel verraten, dass wir mit dem spontan als Interviewer eingesprungenen Tybalt ganz sicher unter Beweis gestellt haben, dass BDSM auch mit einem freundlichen Augenzwinkern geht. Immerhin ist er eher dafür bekannt, gern mal als
“der Inquisitor” aufzutreten

Einfach mal entspannt rumliegen
Auch sonst bot sich genug Gelegenheit, etwas entspannt durch den Tag zu kommen. Zum Beispiel beim spontanen Bondage-Escape-Wettbewerb, bei dem Michael von
Baumwollseil.de sein Können unter Beweis stellte und dreimal flott für Verwicklungen sorgte. Sieht doch sehr entspannt aus, wie die drei da so rumliegen

Spannenderweise konnte sich ausgerecht das Mädel zuerst befreien, welches noch nie etwas von Bondage gehört hatte sondern einfach nur mit ihrer Freundin den BDSM-Tag besuchte. Nah, ob Michael da nicht vielleicht doch beim Knoten etwas nachgeholfen hat?

Herr Ludwig im Gespäch mit Pandora Blake
Den Blick auf die Situation im UK lenkte dann das Interview, welches Herr Ludwig mit
Pandora Blake führte. Da es in Englisch ohne Übersetzung stattfand, hatte mancher vielleicht sprachliche Probleme mit dem Verständnis. Wir werden aber auch diesen Vortrag als Video-Mittschnitt breitstellen. Dann lässt sich das ja alles nochmal in Ruhe nachhören. Nicht enthalten, aber interessant im persönlichen Gespräch zu erfahren, war ihre Beschreibung der in UK weit verbreitete Spanking-Szene. Diese begreife sich mitunter gar nicht als praktizierende BDSMler, habe dafür aber eine Verbreitung und Akzeptanz, wie wir sie uns in Deutschland jedenfalls nicht vorstellen können. Es sei ein typische Eigenart auf der Insel, welche es so in keinem anderen Land gibt.

Skydla las aus ihrem Buch "Sky's sündige Geschichten"
Für jeden Verständlich wurde es dann bei der Lesung von Skydla aus ihrem Buch
“Sky's sündige Geschichten”.
Bei allem sollten wir aber nicht vergessen, dass auch “hinter den Kulissen” fleissig geschafft wurde. Nicht nur in den Workshop, die jedoch wie immer nur im geschlossen Rahmen stattfanden. Eine große Hilfe für die Orga vor Ort war zum Beispiel auch der von Ralf für den Kongress bereitgestellte Internetzugang. Wobei die Kulisse im Wortsinn mit den “Schmerz-Möbeln” von Anna übrigens ein echter Hingucker war! Und mancher wird bedauert haben, dass sie auch beim internen Treffen der Teilnehmer am Abend nicht “bespielt” wurden. Gespielt hat da aber “The Man and the Mirror”, deren eher leicht düsteren Klänge durchaus Gefallen fanden. Fürs leibliche Wohl war natürlich auch gesorgt. Notfalls kümmerte sich BVSM-Vorstand Mike persönlich darum. Sogar wenn er nicht so nett gefragt wurde wie auf dem folgenden Bild zu sehen

Vorstand Mike kümmert sich um die Essens-Versorgeung
Spass beiseite, natürlich gab es auch entsprechende Versorgung für die Teilnehmer und das Buffet am Abend bot wirklich reichlich Auswahl.

Abend-Buffet bot reichlich Auswahl